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SAMSTAG, 3. DEZEMBER 2011 von paul becker, köln kontakt
maffay laudatiert bushido, sagt sich dann wieder von ihm los, keine zwei minuten liegen dazwischen. giovani di lorenzo war mal irgendwie nett und ist jetzt irgendwie die michelle bachmann des deutschen journalismus, dazu braucht es nur einen adeligen. mönchengladbach rollt die bundesliga von hinten auf und tut das unter anderem mit mike hanke. sagt mal, was geht eigentlich? was soll dieser scheiß? unhaltbare zustände und das jetzt, wo man doch bloß von frostschutzmittel oder ähnlichem berauscht einfach nur noch durchhängen will, abwarten, ob europa implodiert, sehen, wenn ja, was dann noch da ist, sehen, wenn nein, wie das ging.
wenn sich der spiegel über die „rätselhafte coolness“ des deutschen bundesbürgers im auge der krise den kopf zerbricht, übersieht er, dass dieser zustand doch nichts anderes als die vorweggenommene totenstarre ist. und weil man schlecht permanent starr sein kann (es sei denn, man ist ringo…oh ja, schauen sie nur hin, schauen sie sich diesen gag ganz genau an und fühlen sie den schmerz, fühlen sie…), geht man zwischendurch etwas für weihnachten einkaufen, ist ja vielleicht unser letztes as we know it.
ich bin weder starr, noch kaufe ich für weihnachten ein, ich schüttele stattdessen den kopf und zwar unter anderem über das, was ich im ersten abschnitt aufgeführt habe. ja, aufgeführt, erfunden habe ich den mist nicht, auf derart schreckliche dinge käme ich gar nicht. stellen sie sich vor, sie sind bäckereiverkäuferin und nebenbei deutschlands größter fan von der plagiierenden freifrau zu guttenberg – das passiert dann: sie dürfen in einer der bekanntesten talkrunden des öffentlich-rechtlichen fernsehens mitdiskutieren. von wegen, nur die privaten holen gesocks auf die mattscheibe, bei „anne will“ geschieht das inzwischen auch. was für ein gelaber! wieso bittet man jetzt nicht noch einfach die lieblingsmetzgerin von sigmar gabriel herein, damit die mal erzählt, warum der typ kanzler kann? helmut schmidt würde sicher glasige augen machen.
angesichts dieser freaks gewinnt man plötzlich ungemein an selbstachtung, was immerhin ein netter effekt ist, mit dem man sich andererseits nicht ewig aufhalten kann, denn schon scheitert man wieder und fragt sich, was überhaupt noch gut sein soll an dieser welt. „die kinder, die kinder“, schreien darauf hin millionen von beseelten, die diesen niedlichen geschöpfen alles zuzutrauen scheinen. wirklich alles. und zwar mit recht, schließlich waren klaus martina zu guttenberg oder stronzo di lorenzo auch mal kinder. kann man sich das vorstellen? was hat die bloß so ruiniert? und wie war bushido wohl als kleiner balg? bestimmt nett, sonst dürfte er wohl nicht noch heute bei seiner mama wohnen. wobei die eh einen knall haben muss, immerhin hat die den mann erzogen.
wer meint, hier drifte jemand aber mal ganz übel ab, hat zwar recht, sollte sich aber nicht zu sehr in die brust werfen, weil er’s höchstwahrscheinlich selbst tut, weil’s alle im moment tun – abdriften. gäbe es nicht die euro-krise, bliebe immer noch ein arsch voll neonazis. gäbe es keine neonazis, bliebe immer noch der iran. gäbe es nicht den iran, bliebe immer noch pakistan. gäbe es nicht pakistan, bliebe immer noch mönchengladbach. das elend nimmt kein ende, da helfen weder lametta noch christstollen. obwohl ich zugegebenermaßen lieber christstollen als gar nichts esse, wenn ich schon der apokalypse zeuge sein muss.
vergessen sie das große, wir überreißen es schließlich nicht, alle nicht, sonst hätten wir eine lösung. konzentrieren sie sich auf das kleine, stellen sie mike hanke ein bein, wenn er es selbst nicht mehr tut, boykottieren sie „die zeit“, gehen sie nicht in bierzelte, sowas eben. klar, damit ändert man nichts. aber wer kann schon etwas ändern? die kinder, die kinder? selbst mahmud amahdinedschad war mal ein kind, nehme ich zumindest an. vergessen sie also die kinder. die helfen uns auch nicht weiter.
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nächste kolumne: 10.12.2011


